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Zwanzig Tage durch die Hölle - Phil Kelly

Dieser Bericht einer Begegnung zwischen der Imperialen Armee und dem Roten Schecken ist aus dem White Dwarf, einem hauseigenen Magazin von Games Workshop. Neben solchen stimmungsvollen Geschichten zu den besonderen Miniaturen findet man dort auch Tips zum Bau von Gelände. Ab und zu ist sogar einmal eine Miniatur beigelegt.


Der schleimige Tunnel erstreckte sich tief in die Finsternis, nur das Licht der Halogenlampen der Gardisten riss kleine Abschnitte kurz aus dem Dunkel. Das Ding hatte sich auf der Suche nach Beute in einer geraden Linie durch Erdboden, Felsen, Plastikverschalung und Stahlbeton gebohrt: die verschiedenen Materialien entlang des Tunnels sahen wie Sedimentschichten aus. Der beißende Gestank war unerträglich, und die beengte Umgebung nagte an den Nerven der Gardisten. Sie hatten sich sechs Stunden lang durch die tropfenden Tunnel gekämpft und der säurehaltige Schleim begann sich durch das Kevlar ihrer Uniformen zu fressen.

Sergeant Creagan hatte sich freiwillig für diese Jagdmission gemeldet, sobald er davon gehört hatte. Zwei seiner Männer waren bei dem Massaker in der Messehalle getötet worden; ihre verstümmelten Leichen waren über den Tisch verstreut gewesen, ihr Zwanzig Tage durch die Hölle (158277 Byte) Blut hatte sich mit dem schleimigen Zeug vermischt, das sie hier auf Devlan Nahrung nannten. Zunächst war seine Meldung zurückgewiesen worden; seine emotionale Beteiligung erschien seinen Vorgesetzten zu groß. Kurz darauf waren jedoch weitere achtzehn Männer von dem Ding getötet worden, was ihn als einzigen Truppführer zurückließ, der irgendwelche Felderfahrung besaß. Das Ding musste aufgehalten werden und zwar bald.

Sein Plan war es, dem Ding zurück zu seinem Versteck zu folgen, nachdem es gefressen hatte, und es zu töten, während es noch seine letzte Mahlzeit verdaute. Am frühen Abend hatte die Bestie Kilean erwischt und von Kopf bis Fuß verschluckt; wenn sie nicht bald fanden, wurde sie wieder auf die Jagd gehen.

Creagan überprüfte die Anzeige auf seinem Flammenwerfer; der Zusammenstoß mit den Absorbern vor einiger Zeit hatte sie wertvolle Brennflüssigkeit gekostet. Die Temperaturanzeige im Inneren seines Sichtschirmes wies darauf hin, dass die Nacht hereinbrach. Die Zeit lief ihnen davon.

Das Echo auf dem Auspex näherte sich ihrer Position mit beunruhigender Geschwindigkeit; es konnte kein Zweifel bestehen, dass es ihre Fährte aufgenommen hatte. Creagan wurde das Gefühl nicht los, dass sie möglicherweise nicht mehr die Jäger waren.

"Bereithalten! Wir sind da ... wir haben die Kreatur gefunden. Hann, van Dohl, Feuer nach eigenem Ermessen!"

"Beim Imperator, da ist es! Zwölf Uhr, kommt schnell naher!"

Durch den Tunnel kam eine albtraumhafte, sich windende Masse von Chitin und schnappenden Klauen, die massiven Panzerplatten schlüpfrig vor Blut und Schleim. Der führende Gardist ließ für mehrere Sekunden eine fauchende Wolke supererhitzter Chemikalien durch den Tunnel rasen und wurde mit einem betäubenden Kreischen belohnt. Erst als die Hitze unerträglich wurde, gab Creagan den Befehl, das Feuer einzustellen.

Der Tunnel war leer. Der beißende Geruch war mittlerweile noch schlimmer geworden; die Filter ihrer Atemmasken kamen kaum damit hinterher, die Luft von Giften zu reinigen. Die Wände waren schwarz vor dünnen Streifen verbrannten Schleims. Ceagan überprüfte sein Auspex, doch die einzigen Lebenszeichen in weitem Umkreis waren die seines Trupps.

"Sarge? Wo ist es?" fragte van Dohl. Creagan schwieg. Zuzugeben, dass er es nicht wusste, würde die Situation nicht verbessern. Lange Minuten vergingen, bevor sich der Trupp langsam und vorsichtig wieder vorzuarbeiten begann. Ihre Schatten liefen ihnen voraus in die Dunkelheit.

Der Tunnel mündete in eine der unterirdischen Generator-Kapellen der Mine, vollgestopft mit dumpf vibrierenden Maschinen und fauchenden Rohrleitungen. Die schweren Metallsohlen ihrer Stiefel dröhnten auf dem Gitter der Laufstege, als sich der Trupp über den Raum verteilte.

Angestrengt die Umgebung beobachtend bemerkte Creagan zu spät, dass sein Auspex wieder zu piepsen begonnen hatte. Eines der Lebenszeichen in der Mitte des Displays war zuviel.

Mit dem Kreischen zerreißenden Metalls brach das Ding von unten durch die Laufstege und entfaltete sich wie eine bösartige Insektenpuppe, als sich seine vorderen Klauen tief in Hanns Brust gruben und große Fetzen blutigen Fleisches herausrissen. Schnell wie eine Schlange schlug es nach van Dohl und erfasste ihn mit seinen mächtigen Klauen. Bevor irgend jemand einen gezielten Schuss abgeben konnte, war die Bestie samt ihrem Opfer wieder in dem Loch verschwunden. Die Schreie des Gardistcn wurden von keuchendem Röcheln abgeschnitten.

"Hinterher!" brüllte Creagan, sprang vor und ließ eine Lanze weißglühenden Feuers in den Raum unter dem Laufsteg fauchen. Das Licht wurde von etwas reflektiert, und für eine Sekunde sah er eine sich windende Masse von Muskeln und Klauen unter dem metallischen Gitter entlangkriechen. Sein Trupp war ihm auf den Fersen und stürmte mit aller Kraft dem Xenomorph hinterher.

Eine Minute später musste sich Creagan, eingestehen, dass sie van Dohl verloren hatten. Er erkannte außerdem, dass sie keinerlei Ahnung mehr hatten, wo sie eigentlich waren.

Er umrundete eine Ecke und wurde beinahe gelähmt vor Übelkeit. Die Kreatur lag ausgestreckt in einer finsteren Ecke, ihre knochigen, schleimtriefenden Fänge unmöglich weit geöffnet. Panzerplatten knirschten unter krampfartigen Schluckbewegungen. Van Dohls Kopf ragte obszön aus dem Maul der Bestie, schleimbedeckt, mit weit aufgerissenen Augen, die Creagan in unendlichem Entsetzen anstarrten, bevor er vollständig im Inneren der Kreatur verschwand.

Mit einem Wutschrei eröffnete Creagan das Feuer. Seine Männer folgten ihm, und das Ding verschwand in fauchenden Flammen, die alles in Reichweite verbrannten. Es wand sich für eine Sekunde zuckend in dem Inferno, bevor es aus ihrer Sicht verschwand. Die Gardisten folgten ihm vorsichtig. Ein Moment verging.

Mit weit aufgerissenem Maul kam das Ding hinter einem Netzwerk von Rohrleitungen hervorgeschossen und warf sich auf sie. Es war über ihnen, bevor irgend jemand einen Schuss abgeben konnte. Eine Klaue durchbohrte Naverres Rücken und nagelte ihn auf das Laufgitter, während der nadelspitze Schwanz der Kreatur tief in Wendts Nacken stieß.

Während es weiter auf sie zuschoss, peitschte eines seiner Sekundärgliedmaßen nach Petrovichs Kopf. Dieser duckte sich, die Klaue prallte von seinem Helm ab und warf den Gardisten zwischen die Rohrleitungen. Die Kreatur zog ihren Schwanz aus Wendts Nacken, schlang ihn um Petrovics Reine und zog ihn in Richtung ihres klaffenden Mauls. Doch die Plattenrüstung, verkantete sich zwischen den Röhren und widerstand dem Zug. Für eine fürchterliche Sekunde lang hing Petrovich in der Luft. Ein Schrei stieg in seiner Kehle auf. Dann riss er in einer Fontäne von Blut in der Mitte auseinander.

Creagan stürmte mit kreischendem Kettenschwert auf die Kreatur zu und schlug nach ihrem segmentierten Körper. Der Schlag biss tief in eine gewaltige Klaue; die Zähne brüllten auf, als sie sich in Chitin und Knochen gruben. Creagans Arm wurde zur Seite gerissen, und das Schwert entglitt seinen Fingern, als sich die Kreatur aufbäumte. Das Ding brüllte ohrenbetäubend. Creagan hingegen hatte keine Zeit zum Schreien, als das gewaltige Maul auf ihn, herabfuhr.

Er erwachte unter entsetzlichen Qualen, rotschwarze Schleier vor den Augen. Sein ganzer Körper war von brennenden Schmerzen eingehüllt, gefangen im Verdauungstrakt des Dings. Das Lebenserhaltungssystem seiner Rüstung war den Grenzen seiner Leistungsfähigkeit nahe. Adrenalin rauschte durch seinen Körper. Er war sich schwach bewusst, dass um ihm herum Bewegung herrschte, doch seine Muskeln waren taub und schwach, die Magensäure nagte an freiliegenden Stellen von Haut und Fleisch.

Die äußere Bewegung brach ab, und das Ding begann zu würgen. Starke Muskelstränge zwangen ihn ins Licht. Das letzte, was Creagan sah, waren die Überreste van Dohls, die neben ihm ins Freie glitten, als der Rote Schrecken sein letztes Mahl in die Säuren des Verdauungstümpels erbrach.

 
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