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Der schleimige Tunnel erstreckte sich tief in die Finsternis, nur
das Licht der Halogenlampen der Gardisten riss kleine Abschnitte
kurz aus dem Dunkel. Das Ding hatte sich auf der Suche nach Beute
in einer geraden Linie durch Erdboden, Felsen, Plastikverschalung
und Stahlbeton gebohrt: die verschiedenen Materialien entlang des
Tunnels sahen wie Sedimentschichten aus. Der beißende Gestank war
unerträglich, und die beengte Umgebung nagte an den Nerven der
Gardisten. Sie hatten sich sechs Stunden lang durch die tropfenden
Tunnel gekämpft und der säurehaltige Schleim begann sich durch
das Kevlar ihrer Uniformen zu fressen. Sergeant Creagan hatte sich freiwillig für diese Jagdmission
gemeldet, sobald er davon gehört hatte. Zwei seiner Männer waren
bei dem Massaker in der Messehalle getötet worden; ihre
verstümmelten Leichen waren über den Tisch verstreut gewesen,
ihr Blut hatte sich mit dem schleimigen Zeug
vermischt, das sie hier auf Devlan Nahrung nannten. Zunächst war
seine Meldung zurückgewiesen worden; seine emotionale Beteiligung
erschien seinen Vorgesetzten zu groß. Kurz darauf waren jedoch
weitere achtzehn Männer von dem Ding getötet worden, was ihn als
einzigen Truppführer zurückließ, der irgendwelche Felderfahrung
besaß. Das Ding musste aufgehalten werden und zwar bald.
Sein Plan war es, dem Ding zurück zu seinem Versteck zu
folgen, nachdem es gefressen hatte, und es zu töten, während es
noch seine letzte Mahlzeit verdaute. Am frühen Abend hatte die
Bestie Kilean erwischt und von Kopf bis Fuß verschluckt; wenn sie
nicht bald fanden, wurde sie wieder auf die Jagd gehen.
Creagan überprüfte die Anzeige auf seinem Flammenwerfer; der
Zusammenstoß mit den Absorbern vor einiger Zeit hatte sie
wertvolle Brennflüssigkeit gekostet. Die Temperaturanzeige im
Inneren seines Sichtschirmes wies darauf hin, dass die Nacht
hereinbrach. Die Zeit lief ihnen davon.
Das Echo auf dem Auspex näherte sich ihrer Position mit
beunruhigender Geschwindigkeit; es konnte kein Zweifel bestehen,
dass es ihre Fährte aufgenommen hatte. Creagan wurde das Gefühl
nicht los, dass sie möglicherweise nicht mehr die Jäger waren.
"Bereithalten! Wir sind da ... wir haben die Kreatur
gefunden. Hann, van Dohl, Feuer nach eigenem Ermessen!"
"Beim Imperator, da ist es! Zwölf Uhr, kommt schnell
naher!"
Durch den Tunnel kam eine albtraumhafte, sich windende Masse
von Chitin und schnappenden Klauen, die massiven Panzerplatten
schlüpfrig vor Blut und Schleim. Der führende Gardist ließ für
mehrere Sekunden eine fauchende Wolke supererhitzter Chemikalien
durch den Tunnel rasen und wurde mit einem betäubenden Kreischen
belohnt. Erst als die Hitze unerträglich wurde, gab Creagan den
Befehl, das Feuer einzustellen.
Der Tunnel war leer. Der beißende Geruch war mittlerweile noch
schlimmer geworden; die Filter ihrer Atemmasken kamen kaum damit
hinterher, die Luft von Giften zu reinigen. Die Wände waren
schwarz vor dünnen Streifen verbrannten Schleims. Ceagan
überprüfte sein Auspex, doch die einzigen Lebenszeichen in
weitem Umkreis waren die seines Trupps.
"Sarge? Wo ist es?" fragte van Dohl. Creagan schwieg.
Zuzugeben, dass er es nicht wusste, würde die Situation nicht
verbessern. Lange Minuten vergingen, bevor sich der Trupp langsam
und vorsichtig wieder vorzuarbeiten begann. Ihre Schatten liefen
ihnen voraus in die Dunkelheit.
Der Tunnel mündete in eine der unterirdischen
Generator-Kapellen der Mine, vollgestopft mit dumpf vibrierenden
Maschinen und fauchenden Rohrleitungen. Die schweren Metallsohlen
ihrer Stiefel dröhnten auf dem Gitter der Laufstege, als sich der
Trupp über den Raum verteilte.
Angestrengt die Umgebung beobachtend bemerkte Creagan zu spät,
dass sein Auspex wieder zu piepsen begonnen hatte. Eines der
Lebenszeichen in der Mitte des Displays war zuviel.
Mit dem Kreischen zerreißenden Metalls brach das Ding von
unten durch die Laufstege und entfaltete sich wie eine bösartige
Insektenpuppe, als sich seine vorderen Klauen tief in Hanns Brust
gruben und große Fetzen blutigen Fleisches herausrissen. Schnell
wie eine Schlange schlug es nach van Dohl und erfasste ihn mit
seinen mächtigen Klauen. Bevor irgend jemand einen gezielten
Schuss abgeben konnte, war die Bestie samt ihrem Opfer wieder in
dem Loch verschwunden. Die Schreie des Gardistcn wurden von
keuchendem Röcheln abgeschnitten.
"Hinterher!" brüllte Creagan, sprang vor und ließ
eine Lanze weißglühenden Feuers in den Raum unter dem Laufsteg
fauchen. Das Licht wurde von etwas reflektiert, und für eine
Sekunde sah er eine sich windende Masse von Muskeln und Klauen
unter dem metallischen Gitter entlangkriechen. Sein Trupp war ihm
auf den Fersen und stürmte mit aller Kraft dem Xenomorph
hinterher.
Eine Minute später musste sich Creagan, eingestehen, dass sie
van Dohl verloren hatten. Er erkannte außerdem, dass sie
keinerlei Ahnung mehr hatten, wo sie eigentlich waren.
Er umrundete eine Ecke und wurde beinahe gelähmt vor
Übelkeit. Die Kreatur lag ausgestreckt in einer finsteren Ecke,
ihre knochigen, schleimtriefenden Fänge unmöglich weit
geöffnet. Panzerplatten knirschten unter krampfartigen
Schluckbewegungen. Van Dohls Kopf ragte obszön aus dem Maul der
Bestie, schleimbedeckt, mit weit aufgerissenen Augen, die Creagan
in unendlichem Entsetzen anstarrten, bevor er vollständig im
Inneren der Kreatur verschwand.
Mit einem Wutschrei eröffnete Creagan das Feuer. Seine Männer
folgten ihm, und das Ding verschwand in fauchenden Flammen, die
alles in Reichweite verbrannten. Es wand sich für eine Sekunde
zuckend in dem Inferno, bevor es aus ihrer Sicht verschwand. Die
Gardisten folgten ihm vorsichtig. Ein Moment verging.
Mit weit aufgerissenem Maul kam das Ding hinter einem Netzwerk
von Rohrleitungen hervorgeschossen und warf sich auf sie. Es war
über ihnen, bevor irgend jemand einen Schuss abgeben konnte. Eine
Klaue durchbohrte Naverres Rücken und nagelte ihn auf das
Laufgitter, während der nadelspitze Schwanz der Kreatur tief in
Wendts Nacken stieß.
Während es weiter auf sie zuschoss, peitschte eines seiner
Sekundärgliedmaßen nach Petrovichs Kopf. Dieser duckte sich, die
Klaue prallte von seinem Helm ab und warf den Gardisten zwischen
die Rohrleitungen. Die Kreatur zog ihren Schwanz aus Wendts
Nacken, schlang ihn um Petrovics Reine und zog ihn in Richtung
ihres klaffenden Mauls. Doch die Plattenrüstung, verkantete sich
zwischen den Röhren und widerstand dem Zug. Für eine
fürchterliche Sekunde lang hing Petrovich in der Luft. Ein Schrei
stieg in seiner Kehle auf. Dann riss er in einer Fontäne von Blut
in der Mitte auseinander.
Creagan stürmte mit kreischendem Kettenschwert auf die Kreatur
zu und schlug nach ihrem segmentierten Körper. Der Schlag biss
tief in eine gewaltige Klaue; die Zähne brüllten auf, als sie
sich in Chitin und Knochen gruben. Creagans Arm wurde zur Seite
gerissen, und das Schwert entglitt seinen Fingern, als sich die
Kreatur aufbäumte. Das Ding brüllte ohrenbetäubend. Creagan
hingegen hatte keine Zeit zum Schreien, als das gewaltige Maul auf
ihn, herabfuhr.
Er erwachte unter entsetzlichen Qualen, rotschwarze Schleier
vor den Augen. Sein ganzer Körper war von brennenden Schmerzen
eingehüllt, gefangen im Verdauungstrakt des Dings. Das
Lebenserhaltungssystem seiner Rüstung war den Grenzen seiner
Leistungsfähigkeit nahe. Adrenalin rauschte durch seinen Körper.
Er war sich schwach bewusst, dass um ihm herum Bewegung herrschte,
doch seine Muskeln waren taub und schwach, die Magensäure nagte
an freiliegenden Stellen von Haut und Fleisch.
Die äußere Bewegung brach ab, und das Ding begann zu würgen.
Starke Muskelstränge zwangen ihn ins Licht. Das letzte, was
Creagan sah, waren die Überreste van Dohls, die neben ihm ins
Freie glitten, als der Rote Schrecken sein letztes Mahl in die
Säuren des Verdauungstümpels erbrach.
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